Es ist ein religiöser Konflikt zwischen Muslimen und Juden.

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Diese Behauptung verschleiert die Ursache des palästinensischen Kampfes. Palästinenserinnen und Palästinenser widersetzen sich Zionisten nicht, weil diese jüdisch sind, sondern dem Zionismus, weil er ein siedlerkoloniales Projekt ist, das sie ethnischer Säuberung, Besatzung, Apartheid und Völkermord unterworfen hat. Zugleich richtet sich die zionistische Ideologie nicht gegen Muslime als solche, sondern gegen Palästinenserinnen und Palästinenser, deren bloße Existenz das koloniale Projekt unabhängig von Religion, Alter, Geschlecht oder politischer Zugehörigkeit bedroht.

Die Darstellung des palästinensischen Kampfes als Religionskonflikt zwischen Muslimen und Juden zeichnet Palästinenserinnen und Palästinenser fälschlich als homogene muslimische Gruppe. Über Jahrhunderte war Palästina religiös vielfältig und Heimat von Muslimen, Christen, säkularen Menschen und historisch auch palästinensischen Juden. Erst der Zionismus zerstörte dieses langjährige Zusammenleben durch sein siedlerkoloniales Projekt. Doch selbst wenn alle Palästinenser muslimisch wären, wäre der Kampf nicht religiös.

Der palästinensische Kampf wäre unabhängig von der Religion der Kolonisatoren ein antikolonialer Kampf gewesen. Er hätte ebenso bestanden, wenn Palästina für niemanden auf der Welt religiöse Bedeutung hätte.

Diese Erzählung stellt die Situation als jahrhundertealtes Problem statt als fortdauerndes modernes Kolonialprojekt dar. Der Zionismus entstand im Europa des späten 19. Jahrhunderts mit dem Ziel, „eine Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina“ zu schaffen. Seine Gründer waren säkular und beschrieben ihr Projekt in kolonialen Begriffen. Theodor Herzl nannte den Zionismus „etwas Koloniales“, Wladimir Jabotinsky ein „Kolonisationsabenteuer“, und frühe Institutionen trugen Namen wie Jewish Colonial Trust und Palestine Jewish Colonization Association. Für einen ethnonationalen Staat formte der Zionismus jüdische Identität zu einer vereinheitlichten nationalen Identität um, instrumentalisierte sie zur Legitimation der Kolonisierung und projizierte die daraus entstandene Feindseligkeit auf die Kolonisierten.

Indem der palästinensische Kampf als uralter, unlösbarer Religionskonflikt dargestellt wird, lenkt diese Erzählung von einem laufenden Kolonialprojekt ab, ermöglicht weitere Komplizenschaft von Regierungen und Machthabern und entmutigt öffentliches Handeln durch den Eindruck, die Situation sei zu kompliziert, um gelöst zu werden.

Die Darstellung Palästinas als Konflikt zwischen Muslimen und Juden beruht auf der Gleichsetzung von Judentum, Israel und Zionismus. Diese Gleichsetzung wurde vom Zionismus selbst konstruiert. Israel definiert sich als „jüdischer Staat“, gewährt auf dieser Grundlage exklusive Rechte und beansprucht, Jüdinnen und Juden weltweit zu vertreten. Das ist nicht nur Rhetorik: Das palästinensische Leben unter kolonialer Herrschaft wird durch israelisch-jüdische Soldaten und Siedler geprägt, die Enteignung und Völkermord durchsetzen. Diese Gleichsetzung erleichtert die Instrumentalisierung von Antisemitismusvorwürfen. Palästinenserinnen, Palästinenser und ihre Verbündeten müssen ständig erklären, nicht antisemitisch zu sein, nur weil sie Besatzung, Kolonisierung und Völkermord ablehnen. Zionismus vom Judentum zu trennen ist entscheidend, doch diese Last darf nicht bei den Palästinensern liegen.

Die Behauptung scheitert auch am jüdischen Widerstand gegen den Zionismus. Millionen Jüdinnen und Juden sowie Organisationen wie Jewish Voice for Peace, Independent Jewish Voices und Neturei Karta lehnen den Zionismus aus moralischen, religiösen und politischen Gründen ab und verweigern, dass Apartheid und Völkermord in ihrem Namen begangen werden.

Die Vorstellung, Muslime und Juden seien dazu bestimmt, Feinde zu sein, wurzelt selbst in orientalistischem und kolonialem Denken. Sie stellt Araber und Muslime als irrationale religiöse Fanatiker dar, verschleiert die politischen Realitäten von Imperium und Kolonisierung, befeuert Islamfeindlichkeit und antipalästinensischen Rassismus und entlastet die Kolonialmacht von Verantwortung.

Quellen

  1. Reframing: Religious Conflict, Communicating Palestine.
  2. Myth: The Palestinian Question Is About Religion, Decolonize Palestine.
  3. About Anything but Religion, Key48Return.
  4. Myth: Zionism Is Not Colonialism, Just Jewish Self-Determination, Decolonize Palestine.
  5. On Antisemitism, Anti-Zionism, and Dangerous Conflations, Jewish Voice for Peace, 2023.

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