Der Islam befiehlt Palästinenserinnen und Palästinensern, Jüdinnen und Juden zu töten.
Antworten
Diese Behauptung ist eine rassistische Verallgemeinerung. Palästinenserinnen und Palästinenser sind ein Volk mit unterschiedlichen Religionen. Doch selbst wenn alle muslimisch wären, richten sich weder der Islam noch der palästinensische Kampf gegen das Judentum. Der Islam kennt ausdrückliche Schutzbestimmungen für Menschen anderen Glaubens, blickt auf eine lange Geschichte des Zusammenlebens mit anderen Religionsgemeinschaften zurück und stellt Gerechtigkeit in den Mittelpunkt. Zugleich richtet sich der palästinensische Kampf gegen den zionistischen Siedlerkolonialismus und gründet auf Befreiung, Gerechtigkeit und Würde.
Dieser Mythos stellt den palästinensischen Kampf bewusst als Religionskrieg gegen Jüdinnen und Juden dar statt als antikolonialen Kampf gegen Besatzung, Apartheid und Völkermord. Hätte eine andere Gruppe dasselbe Unterdrückungssystem errichtet, würden sich Palästinenserinnen und Palästinenser ihm auf dieselbe Weise widersetzen.
Dieser Mythos setzt bewusst Judentum mit Israel und Zionismus gleich und unterstellt, der Widerstand gegen einen Kolonialstaat sei gleichbedeutend mit Hass auf Jüdinnen und Juden. Israel kann nicht beides zugleich beanspruchen: Es definiert sich als jüdischer Staat, erhält ein Apartheidsystem aufrecht, das Jüdinnen und Juden privilegiert, und behauptet dann, diejenigen, die sich diesem System widersetzen, kämpften gegen Juden statt gegen koloniale Herrschaft.
Diese Behauptung löscht außerdem bewusst die Geschichte aus. Über Jahrhunderte lebten jüdische Gemeinschaften in Palästina und der weiteren Region als integrale Bestandteile ihrer Gesellschaften und teilten gemeinsame Sprachen, Kulturen und Geschichten. Erst der Zionismus formte jüdische Identität zu einer vereinheitlichten nationalen Identität um, zerstörte jahrhundertelanges Zusammenleben und projizierte die durch die Kolonisierung hervorgerufene Feindseligkeit auf die Kolonisierten.
Jede zionistische Anschuldigung ist ein Geständnis. Es sind israelische Amtsträger, die wiederholt religiöse Sprache herangezogen haben, um das siedlerkoloniale Projekt zu rechtfertigen. Während des gegenwärtigen Völkermords berief sich Netanjahu auf das biblische Gebot zu Amalek – eine Anspielung, die weithin als Darstellung der Vernichtung der Palästinenserinnen und Palästinenser als göttlich gebilligter Akt verstanden wird.
Die Behauptung, der Islam schreibe Gewalt gegen Jüdinnen und Juden vor, ist ein klassischer islamfeindlicher Mythos. Er wurzelt in kolonialen und orientalistischen Darstellungen von Palästinenserinnen und Palästinensern sowie allgemein von Musliminnen, Muslimen und arabischen Menschen als von Natur aus gewalttätig, irrational und antisemitisch. Selektive, aus dem Zusammenhang gerissene Lesarten islamischer Texte werden instrumentalisiert, um mehr als eine Milliarde Menschen als grundsätzlich gewalttätig darzustellen, während die imperialen Bedingungen, die die Region prägen, ausgeblendet werden.
Quellen
- Palestinians and the Phenomenon of Antisemitism, Institute for Palestine Studies, 2024.
- How Anti-Zionism Became Anti-Semitism, AARDI, 2021.
- Reframing: A Religious Conflict, Communicating Palestine.
- Zionism, Anti-Semitism and Colonialism, Al Jazeera, 2012.
- Statement by Prime Minister Benjamin Netanyahu, Government of Israel, 2023.
Kategorien
Verwandte Behauptungen
- Antizionismus ist Antisemitismus. →
- Aktivistische Parolen wie „From the river to the sea“ und „Globalize the Intifada“ sind antisemitisch und stacheln zu Gewalt an. →
- BDS ist antisemitisch und für den Frieden kontraproduktiv. →
- Palästinenserinnen und Palästinenser wollen Jüdinnen und Juden ins Meer treiben. →
- Die Hamas-Charta ruft zur Tötung von Jüdinnen und Juden auf. →
